Der Lamer Winkel im Naturpark Oberer Bayerischer Wald.

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Holzkunstmuseum im Drexler-Hof in Arrach wird eröffnet – Horst Giese Künstler aus Leidenschaft
 

Leidenschaft in Holz – inspiriert von der Natur ...                                                                                        


Arrach.

Vor allem eines hatte der Bayerische Wald schon immer im Überfluss: Holz. Kein Wunder, dass die Bewohner des Waldes seit Jahrhunderten von ihm leben. Es entstanden bedeutende Wirtschaftszweige wie die Glasindustrie oder der Holzhandel. Aber auch für kunstliebende Menschen ist Holz der perfekte Werkstoff, um ihre kreative Ader auszuleben und einzigartige Kunststücke zu schaffen.

Zwar liegt ihm das Handwerkliche im Blut, aber in seinem Berufsleben hatte er nichts mit Holz zu tun. Horst Giese (87) aus Berlin war einmal Postbeamter. Er ist seit vielen Jahren pensioniert und seit gut 40 Jahren künstlerisch tätig. Seit dem Jahr 1971 widmet er sich der Holzgestaltung und verarbeitet Holz mit einmaliger Kreativität zu Kunst-Unikaten. Jetzt ist sein Lebenswerk im Holzkunst-Museum im Drexler-Hof in Arrach zu sehen. Die offizielle Eröffnung mit Anwesenheit von Landrat und Bezirkstagspräsidenten Franz Löffler findet am 20. April statt. Ab Donnerstag, 26.April 2018 ist das Museum für die Öffentlichkeit, während der üblichen Öffnungszeiten des Drexler-Hofes, geöffnet. Infos unter www.drexlers-baerwurz.de oder unter Telefonnummer (0 99 43) 36 40.

Mehrere Hunderte von Exponaten („Ich habe sie nicht gezählt“) fanden den Weg von Berlin-Marienfelde ins beschauliche Arrach. „Auf eigene Kosten. Darunter auch einige noch nie ausgestellte Werke“, verrät der umtriebige Naturfreund. In seinem Schaffen gibt es eine große Bandbreite: von großen, schweren Skulpturen bis hin zu kleinen, filigranen Kunstwerken und Reliefarbeiten mit fantastischen Farben und Maserungen. Sie beziehen das natürliche Verwittern und Arbeiten des Holzes mit ein. „Gerade die knorrige Eiche erhält so im Laufe der Jahrzehnte eine herrliche Patina“, verrät er. Sein Hauptthema ist die Natur in allen ihren Erscheinungsformen. Keine Wurzel, kein noch so marodes Holz wie alte Stämme mit Verwucherungen, Pilzbefall oder Wurmlöchern sind vor ihm sicher. Und sogar die Pailletten aus dem Ballkleid seiner Tante fanden in mehreren Stücken eine nochmalige interessante Verwendung in der „Zweikomponenten-Kunst“ des Schaffenden.

Das private Holzkunst-Museum in seinem Wohnhaus hat der Autodidakt hiermit größtenteils aufgelöst. „Meine Frau Gerda und ich werden ja auch nicht jünger und in ein Heim kann ich das alles nicht mitnehmen“, gibt er zu bedenken. Das Holz für seine Werke kaufte er aber nicht im Laden, sondern er nutzt seine regelmäßigen Ausflüge in die Natur für die Suche nach Materialien. „Ich bin ein sehr naturliebhabender Mensch und ich halte meine Augen immer offen nach besonderen Holzstücken in den Parks und Wäldern“, erklärt Giese. Gerne verwendet er Zweige aus Baumkronen oder Wurzeln, aber auch exotische Arten wie das Amerikanische Gelbholz. Es gibt nur Unikate, er macht nichts doppelt. „Jedes Holzstück lebt und nach dem Holzstück entwerfe ich die Sachen.“

Danach gefragt, was ihn besonders an diesem Werkstoff fasziniert, sagt er: „Das Holz lebt. Wenn man es weiterbearbeitet, fängt es wirklich zu leben und zu strahlen an. Jedes Stück hat eine andere Farbe, eine andere Ausstrahlung.“ Giese beschränkt sich dabei auch nicht auf bestimmte Holzarten, sondern verarbeitet, was ihm zwischen die Finger kommt und ihm gefällt – von Wurzeln angefangen bis zu schwarzem Moorholz. Er reflektiert Aspekte wie Natur oder das tägliche Leben, Politik, Gesundheit, Musik und Kultur, Religion und Geschichte, Krieg und Frieden, Politik und Umwelt. Diese werden in verschiedenen Werkserien sichtbar. Stücke mit vielsagenden Titeln wie „Invasion der Regenwürmer“, „Wunschbürger“, „Erlenwürger“ oder „Lichtorgel“ hat er aus Berlin mitgebracht. Die Suche nach neuen Ideen und Inspirationen hört eigentlich nie auf. Viele seiner Werke liegen schon fast fertig am Wegesrand, kostenlos sozusagen. Bereits im Fundstück erkennt Giese das spätere Kunstwerk, ob gegenständlich oder abstrakt. Es wird vom Künstler nur noch bearbeitet und mit Bootslack konserviert.

Holz ist vielseitig und lebendig. Gieses Werke sind sehr materialbezogen. Hölzer, mit denen er arbeitet, sind bis zu 1000 Jahre alt, mussten der Zeit ihren Tribut zollen. „Sie haben eine besondere Geschichte, die ich versuche zu erhalten. Diese fließt bei der Bearbeitung der Skulpturen mit ein“, gibt er preis. Was haben solche Baumriesen alles erlebt? Wenn man sich darauf einlässt, ist das Inspiration pur. Immer steht die Seele des gebenden Baumes im Mittelpunkt. „So hat jede einzelne Arbeit von mir seine ganz eigene Geschichte.“  Mit Beitel, Feile und Raspel rückt er ihnen zu Holze. „Die Natur ist der Künstler, ich bin nur der Dekorateur“, kokettiert der sympathische Holzfanatiker.

„Das Berühren der Kunstwerke mit den Pfoten ist keineswegs verboten, sondern erwünscht“, sagt er. Genau dafür haucht Giese seinen Holzkunstwerken Leben ein. Auch deshalb ist das Museum besonders für Kinder und sehbehinderte Menschen geeignet. Mitnehmen kann man die Unikate nicht, denn die Kunstwerke sind grundsätzlich unverkäuflich. Geld verdient er mit seinen filigranen und detailverliebten Arbeiten also nicht.

Holzkunst als selbst gestellte Lebensaufgabe, das ist sein Antrieb. Obwohl er ohne Telefon, Fernseher und Computer lebt und auch kein Auto benötigt, ist der Rentner viel unterwegs. Während andere Menschen ihre Existenz mit einem weltweiten Netz verbinden und sich eine Parallelwelt schaffen, ist er in der Natur. Jeden Tag. Ohne Technik oder Telefon. Dafür mit einem Auge für die Wunder des Waldes. Die Menschen an die Natur zu erinnern. Sich daran zu besinnen, wo alles herkommt. Wer einfach mit offenen Augen durch den Wald spaziert, erfährt: „Was dort allein auf einem Quadratmeter zu entdecken ist, ist mit keinem Fernsehprogramm zu vergleichen.“ Wer Horst Giese zuhört, merkt schnell, dass ihn die Wunder der Natur immer noch faszinieren und staunen lassen. Die gleichberechtigte Balance zwischen der Idee der Vision und dem Material des Werkstoffes Holz macht es möglich, die Mystik des Holzes zu spüren und sie mit sich zu nehmen. Von Jahrhunderte alten Wurzeln bis hin zu zeitgemäßen Visionen.

Das Museum soll ein Ort der Begegnung sein, diesen Anspruch hat der passionierte Holzkünstler an seine Arbeiten. Beim Rundgang durch das Museum ist der Betrachter eingeladen, die Kunstwerke mit allen Sinnen zu erleben. „In den Ausstellungsräumen erleben Sie eine bewegende Vielfalt an Formen, Farben, Maserungen und den Duft unzähliger verschiedener Hölzer. Diese Vielfalt ist der Hintergrund meines Schaffens.“ Giese sagte, er wolle vor allem auch den Kindern und Jugendlichen zeigen, was man mit Holz machen kann. „Mitdenken und mit der eigenen Muskulatur und Kraft etwas herstellen. Das erspart sogar den Doktor.“, so der drahtige und rüstige Mann, für den es eine besondere Herausforderung war, seine Werke in ein bestehendes Museum zu integrieren. Sein Wissen und seine Leidenschaft weiterzugeben, für kommende Generationen zu bewahren, ist ein weiterer Grund für das Museum. „Ich möchte den Erfahrungsschatz meines Lebens mit anderen teilen. Ich will informieren und anregen, wie und womit sich jeder, der die Natur liebt, beschäftigen kann.“

Für die interessierten Besucher hängt in jedem Raum eine Informationsmappe mit den Gedankengängen des Künstlers sowie geschichtlichen und fachlichen Hinweisen aus.


Bild:       
Horst Giese aus Berlin hat bewegende Kunstwerke geschaffen.

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